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Salò - Die 120 Tage von Sodom

Der Film ist in Deutschland indiziert.
„Die 120 Tage von Sodom“, ein unvollendetes Manuskript von de Sade aus dem späten 18. Jahrhundert, lässt sich als Versuch interpretieren, alle menschlichen Perversionen enzyklopädisch festzuhalten: Vier Libertins üben in einem abgelegenen Schloss eine Terrorherrschaft über eine Reihe von apathischen Opfer aus. Das Manuskript ging beim Sturm auf die Bastille verloren und wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und von dem deutschen Sexualwissenschaftler Iwan Bloch publiziert. Nachdem der Stoff bereits Louis Buñuels Klassiker „L'age d'or“ (1930) inspiriert hatte, verfilmte Pasolini den Stoff 1975 erneut, im Anschluss an die Fertigstellung seiner „Trilogie des Lebens“; Pasolini spielt dabei wiederholt auf Buñuel an.
Pasolini ging es dabei weniger um den pornographischen Gehalt des de Sadeschen Werkes als um seine politischen Implikationen. Seine Kritik an der dekadenten französischen Oberschicht ist zugleich eine frühe Dystopie von totalitären Strukturen im Allgemeinen. Dieser Lesart folgt Pasolini partiell, indem er die Geschichte in die faschistische Rumpfrepublik Salò verlegt, die stellvertretend für das zeitgenössische Italien steht. Hier üben vier Libertins eine totalitär anmutende Herrschaft aus. Fast wörtlich übernimmt Pasolini den ursprünglichen Text des de Sadeschen Werks, allerdings fügt er einzelne Dialoge ein, in denen sich die Protagonisten über Friedrich Nietzsche und die Philosophie der französischen Strukturalisten austauschen. Ein weiterer relevanter Unterschied zur literarischen Vorlage besteht im Verhalten der Opfer: Während sie im Manuskript rein apathisch sind, agieren sie im Film als Handlanger und Widerständler.
Wie auch in Pasolinis vorherigen Filmen wird Sexualität in „Salò – Die120 Tage von Sodom“ sehr offen und drastisch dargestellt, weshalb der Film mehrfach indiziert wurde. Denn nicht nur in Worten, sondern auch in den Taten hält sich der Film eng an die Vorlage und stellt die sadistische Unterwerfung der Opfer in vielen Facetten dar, die er durch seine theatralische Kameraführung allerdings ein Stück weit wieder relativiert.
Die ersten Szenen, in denen die Libertins sich ihre Opfer aussuchen – allesamt von Laiendarstellern gespielt – wirken durchaus erotisch auf den Zuschauer. Im Verlauf des Films jedoch tritt der erotische Aspekt jedoch zurück hinter einer Sexualität, die ausschließlich als Platzhalter für den Begriff der Macht fungiert. Dabei sind vor allem die vielen koprophagen Passagen eine Herausforderung, der sich nicht jeder Zuschauer stellen möchte.
Daher ist es unangebracht, Pasolinis Verfilmung primär unter einem erotischen Aspekt zu betrachten, ebenso, wie es das beim kurz zuvor ebenfalls sehr kontrovers diskutierten Film „Der Nachtportier“ von Lilian Cavani der Fall war. Beide Filme nutzen das Motiv des Faschismus, den sie jeweils in unterschiedlichen Formen mit sexuellen Komponenten verbinden, um eine dahinterstehende Logik zu thematisieren: Die sexuelle Ebene dient als Transportmittel für eine politisch-soziale Analyse der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund ist „Salò – Die120 Tage von Sodom“ wahrscheinlich die de Sade-Verfilmung, die dem Autor der Vorlage am nächsten kommt.
OT: Salò o le 120 giornate di Sodoma – (I / F 1975, R.: Piere Paolo Pasolini) – Verfilmung nach dem gleichnamigen Romanfragment von Marquis de Sade.
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